aufsatz: mein wochenende
Eingeläutet wurde das ganze mit einer ganz entzückenden kleinen Party vom Kingz Club, das ist normalerweise der Drag-King-Stammtisch, diesen Monat hat die Rasselbande stattdessen allerdings eine Party draus gemacht. Meine Wenigkeit wurde gebeten, die Tresenschlampe zu mimen und hat Getränke ausgeschenkt. Sehr angenehm. Ich habe mir prompt überlegt, ins Gastronomiegeschäft einzusteigen, dabei kann man nämlich schamlos mit allen Durstigen flirten… Dann noch mit einer kleinen Drag Queen namens Lilo getanzt und ein Ständchen von Mr Johnny Kingsize bekommen. Hat Spaß gemacht, es war nicht sehr voll und daher sehr familiär. Ich war bei Sonnenaufgang im Bett. Dann etwas Schlaf nachgeholt und dann erst mal auf dem Stadtfest ins Getümmel gestürzt. Das war spaßig, bis zu dem Part, als wir unseren Stand für die Nacht eingepackt haben und mit der Sackkarre mit dem ganzen Plunder durch die Massen drängeln mussten, zwischen hunderten absolut identisch aussehenden Lederkerlen und kleinen zugekoksten schwulen Jungs durch, dann am P.E. vorbei, vor dem sich betrunkene Lesben von der nicht-so-charmanten Sorte stapelten. Da hatte ich dann genug von Homosexuellen.
Später in der Nacht bin ich dann noch auf Balkons in zwei verschiedenen Wohnungen gelandet, erst durch einen lustigen Zufall auf dem meiner Kollegin, in deren Keller wir die Sachen unterstellen konnten und von der ich mich eigentlich schon verabschiedet hatte, die jedenfalls hat uns dann später, nach dem wir alle ihre Vicky-Leandros-CDs gehört hatten, noch in die Wohnung eines mit ihr befreundeten schwulen Floristen geschleift, der die absolut hinreißendste Wohnung hat, die ich je gesehen habe, samt eben diesem Balkon, natürlich mit exotischer Flora bepflanzt. Seit Jahren bewundere ich schon diesen Balkon, der ist nämlich genau über dem Platz mit der Hauptbühne für das Musikprogramm während des Straßenfestes, und schon immer stehe ich unten und gucke hoch, und schon immer stehen da oben mindestens zehn Leute mit Proseccoflaschen in der Hand und amüsieren sich köstlich, und schon immer habe ich gedacht, wer da wohl wohnt und dass da immer die besten Parties stattfinden, und dass ich diesen Balkon so toll finde. Hah, und nun war ich mal selbst da oben. Witzig.
War dann so um 3 Uhr im Bett und mehr als begeistert, als kaum fünf Stunden später mein Wecker klingelte, wieder zurück zum Fest, den gerade erst abgebauten Stand wieder aufbauen. Dann müde ein wenig auf dem noch etwas leeren Fest herumgeschlichen, ein paar Leuten guten Tag sagen und mit den Kollegen von der Siegessäule schäkern, um ein Gratis-T-Shirt zu ergattern (vergebens), mittags wieder abgezogen, ein Mittagsschläfchen eingelegt. Nachmittags weckt mich das Telefon, Chris ruft an, ob ich aufs Straßenfest mitkomme. Dankend abgelehnt. Später mit dem Rad raus zu Mutti zum Spargelkochen. Und dann mit vollem Magen wieder zurückgeradelt, über einige Umwege. In der Dämmerung eine recht inspirierende Spazierfahrt gemacht durch das abendliche Neukölln, die etwas schäbige Stätte meiner Kindheit, vorbei an sonntäglich leeren Industriegebieten, Kanälen, Kränen, Brücken, verlassenen und überwucherten Bahndämmen, Schrebergärten und schmuddeligen Hinterhöfen, dies alles im Schein der Gaslaternen und mit dem oh-so-süßen Lindenblütenduft in der Nase.
(Heute früh dann sehr erschöpft.)Â